Who cares? Arbeit feministisch betrachtet

Ein gemeinsamer Themenschwerpunkt der Freien Radios Österreich.

Es läuft etwas schief im System – und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Zwischen Erwerbsarbeit, Homeschooling und Pflege, sind es vor allem die Frauen, die „systemerhaltende“ Aufgaben übernehmen. Und trotzdem sind sie aufgrund schlechterer oder gänzlich fehlender Bezahlung stärker durch Armut gefährdet als Männer. Wir fragen: Who cares? Wer sorgt für wen in unserer Gesellschaft? Und wen kümmert das eigentlich (nicht)?

Mit dem gemeinsamen Themenschwerpunkt „Who cares? Arbeit feministisch betrachtet“ lenken die österreichischen Freien Radios ihren Fokus auf Probleme, die in der öffentlichen Debatte marginalisiert oder oberflächlich behandelt werden. Und machen den Faktencheck: Was heißt Arbeit überhaupt? Wie sieht der Alltag von 24-Stunden-Pflegerinnen, pflegenden Angehörigen und Frauen in der Reinigungsbranche ganz konkret aus? Welche Wege gibt es aus der Care-Krise? Wieso braucht es internationale Kampagnen wie „Lohn für Hausarbeit“ auch heute noch? Wie lässt sich Altersarmut bei Frauen verhindern? Und wie hängt die Aufwertung von Sorgearbeit mit einem besseren Leben für alle zusammen?

Antworten darauf gibt es ab 26.10.2021 von Montag bis Freitag auf allen Freien Radios Österreich und anschließend zum Nachhören im Onlinearchiv unter:
https://cba.fro.at/podcast/who-cares-arbeit-feministisch-betrachtet

Grafik: Juliana Melzer

Programm

Di, 26.10.
8:00 und 18:00
Wer wird mich pflegen? (Radio Agora 105,5)
Wieso wird gerade die als wichtig empfundene Sorgearbeit meist schlecht bezahlt? Ist dem überhaupt so? Falls ja – warum, und wer verrichtet sie?

Mi, 27.10.
8:00 und 14:30
Frauen am Arbeitsmarkt (B138)
Radio B138 mit einem Interview von Julia Bauer Leiterin des AMS Kirchdorfs zum Thema Frauen am Arbeitsmarkt. Julia Bauer berichtet über die aktuelle Lage der Frau am Arbeitsmarkt, wie lange es laut aktuellen Statistiken noch dauert bis Männer und Frauen tatsächlich gleichgestellt sind.

Do, 28.10.
8:00 und 15:30
Arbeit Substantiv, feminin [die] – Für einen erweiterten Arbeitsbegriff (Freirad)
Von Frauen geleistete Arbeit wird allzu rasch aus dem Blickfeld geschoben: unsichtbar gemacht, abgewertet oder als ein „Tun aus Liebe“ in den Himmel gehoben und damit auch materieller Abgeltung entzogen. Wo findet politische und soziale Arbeit ihren Platz? Wie hängen Sorge-Arbeit (an Mensch und Natur), Erwerbsarbeit, politische Arbeit und Arbeit zur Selbstentwicklung zusammen? Wir regen in dieser Senndung an, einen weiter gefassten Blick auf Arbeit zu entwickeln und die verschiedenen Dimensionen auszuleuchten.

Fr, 29.10.
8:00 und 19:30
Bündnis gegen Ausbeutung (Radio FRO)
Menschen mit hohem Pflegebedarf nehmen oft die Hilfe von 24-Stunden-Betreuerinnen, die mehrheitlich aus Osteuropa kommen, in Anspruch. Das System der 24-Stunden-Betreuung fußt auf Ausbeutung und Respektlosigkeit. Die Betreuerinnen haben schlechte Arbeitsbedingungen und sind mit 3 – 4 Euro Stundenlohn extrem unterbezahlt. Lange hatten sie keine Interessensvertretung, doch nun haben Aktivistinnen eine Organisation gegründet, die auf die unzähligen Missstände hinweist und deutliche Verbesserungen für jene fordert, die diese unentbehrliche Arbeit machen. Margit Happerger im Gespräch mit Anna Leder, von der IG24, der Interessensvertretung der 24 Stundenbetreuer*innen.

Mo, 1.11.
8:00 und 18:00
„Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit“ Kontinuitäten der unvollendeten feministischen Revolution (Radio Helsinki)
Kontinuitäten der unvollendeten feministischen Revolution! Feministische Ökonomie Kritik ist nichts neues, Anfänge finden sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Durch die Frauenbewegung der 1970er Jahre wurde die Bedeutung der Sorgearbeit (Reproduktionsarbeit) für den Kapitalismus stärker diskutiert. So hat die internationale Kampagne „Lohn für Hausarbeit“, die von italienischen Feministinnen wie Mariarosa Dalla Costa und Silvia Federici begründet wurde, nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil, die Verhältnisse haben sich verschärft, Arbeitsbedingungen sind prekärer und Frauen leisten neben ihrer Lohnarbeit (oft in Pflegeberufen), nach wie vor die meiste Pflege- und Hausarbeit. Radio Helsinki wirft einen Blick auf die Verbindungslinien historischer feministischer Kämpfe und der aktuellen Carekrise.

Di, 2.11.
8:00 und 18:00
Wege aus der Care-Krise (Orange 94.0)
Die Care-Krise zeigte sich auch am Mangel an Pflegerinnen und an der besonderen Vulnerabilität von 24-Stunden-Betreuerinnen aus dem Ausland deutlich. Unverkennbar wurde, dass diese Sorgemodell, die auf Kosten unter- und unbezahlter Arbeiterinnen beruht, nicht nachhaltig sein kann. Die Pandemie machte die Kritik an diesem Modell lauter und verlieh der Debatte um Alternativen neue Dringlichkeit. In diesem Radiobeitrag sprechen wir mit Vertreterinnen der „Mehr für Care!“ Initiative über die Wege aus der Care-Krise und diskutieren zusammen darüber, wie man Care-Arbeit nachhaltig und solidarisch denken und adressieren kann.

Mi, 3.11.
8:00 und 14:30
Anders schreiben, anders altern? Über Care-Arbeit, Literatur und weibliche Altersarmut (Freies Radio Salzkammergut)
Das Schreiben ist ein einsamer Beruf. Oder?! Zwei Autorinnen berichten aus unterschiedlichen Perspektiven über das Schreiben und dessen Verbindungen ins weibliche Leben. Veronika Bohrn Mena ist Sachbuchautorin und Publizistin. Sie beschäftigt sich u.a. mit weiblicher Altersarmut und liefert Vorschläge, dieser entgegenzuwirken. Autorin ist auch Barbara Rieger, allerdings im literarischen Bereich: Die von ihr unlängst veröffentlichte Anthologie „Mutter werden. Mutter sein.“ widmet sich Care-Arbeit aus einer künstlerischen Perspektive.

Do, 4.11.
8:00 und 14:30
„Who kehrs“? Frauen in der Reinigungsbranche (Campus & City Radio St. Pölten)
Sie haben meist Migrationshintergrund, arbeiten privat und nicht versichert, oder in der Gebäudereinigung: dort werden sie schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen, arbeiten in Teilzeit und zu Randzeiten, oft in der Früh und am Abend. Denn, wer will schon während der Arbeit im Büro die Putzfrau sehen?! Während der Corona-Zeit waren die Reininungsfrauen an vorderster Hygiene-Front und einem höheren Risiko ausgesetzt. Ein Plädoyer für Gleichberechtigung, Wertschätzung und Anerkennung.

Fr, 5.11.
8:00 und 19:30
Finanziell abgesichert in der Sorgearbeit – eine Vision? (Radio Freequenns)
Care-Arbeit ist zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt und genießt – wohl auch, weil sie oft nicht bezahlt ist – wenig Anerkennung. Radio Freequenns geht der visionären Frage nach, ob das so sein muss und ob z. B. ein Care-Fonds an dieser Schieflage etwas ändern könnte.

Mo, 8.11.
8:00 und 15:00
„Finanziell abgesichert“ (Radio OP)
Das neue Pflegemodell für pflegende Angehörige im Burgenland.Kann das ein Modell für ganz Österreich sein? Oder verhärtet es nur die bestehenden Strukturen, dass Pflege Angelegenheit von Frauen bleibt? Was meinen die Frauenberatungsstelle und das AMS Oberpullendorf dazu?

Di, 9.11.
8:00 und 14:30
Unbezahlbar! Unbezahlbar? – die Arbeit von pflegenden angehörigen Frauen in Salzburg (Radiofabrik)

Mi, 10.11.
8:00 und 14:30
Who cares? Jedenfalls die Gemeinden auch (radioYpsilon)

Do, 11.11.
8:00 und 14:30
Geht‘s noch!? – Was Frauen leisten (Freies Radio Freistadt)
Beim Wort „Arbeit“ denken wir fast ausschließlich an berufliche Tätigkeiten – an Erwerbsarbeit. Wer erledigt jedoch unbezahlte Arbeiten: Care-Arbeit, wie die Plege von Familienangehörigen, die Kinderbetreuung und die Haushaltsführung. Hauptsächlich Frauen. Im krassen Kontrast zum Gesamtarbeitspensum steht dennoch die Einkommensschere. Frauen verdienen auch im 21. Jahrhundert im Durchschnitt wesentlich weniger als Männer, selbst in den selben Berufsfeldern. Die Mehrfachbelastung durch die Care-Arbeit bedingt oft auch fehlende Versicherungszeiten, die später zu Altersarmut führen.
FRF-Moderatorin Claudia Prinz spricht mit Christine Lasinger, Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle BABSI in Freistadt über diese Problematik und Lösungsansätze dazu. Unterstützungsmöglichkeiten bei der Arbeitssuche, der berufliche Wiedereinstieg von Frauen, Altersarmut, Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Hinblick auf Care-Arbeit, stehen im Fokus einer kritischen Auseinandersetzung.

Fr, 12.11.
8:00 und 19:30
Taking care EVERYWHERE! (Proton)

Geht‘s noch!? – Was Frauen leisten
In der Sendung des Freien Radio Freistadt spricht Claudia Prinz (FRF) mit Christine Lasinger, der Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle BABSI in Freistadt über Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Mehrfachbelastung durch Sorge- und Pflegearbeit, den beruflichen Wiedereinstieg und Altersarmut von Frauen.

Christine Lasinger (GF Frauenberatungsstelle BABSI Freistadt) und Claudia Prinz (FRF).