Beeindruckender Klimavortrag in Windhaag

Gut besucht war die diesjährige Generalversammlung des Vereins Energie Bezirk Freistadt (EBF). Neben zahlreichen Bürgermeistern, politischen Mandataren und VertreterInnen von Betrieben haben vor allem der Veranstaltungsort und ein Referent mit Weltformat auch viele Privatinteressierte in das Green Belt Center gelockt. Zu dessen Besichtigung fanden sich schon vor der Generalversammlung etwa 30 BesucherInnen ein. Als Tor zum Grünen Band Europas öffnet das Green Belt Center neue Zugänge zu Natur, Kultur und vor allem den Menschen in einem gemeinsamen Europa, resümierte Vizebürgermeister Heinz Graser bei einem gemeinsamen Rundgang durchs Haus.

Alfred Klepatsch als Obmann bestätigt
Bei der darauffolgenden EBF – Generalversammlung zog der regionale Energieverein Bilanz. Unter anderem wurden im letzten Jahr zur Bewusstseinsbildung in Summe 41 Info-Veranstaltungen abgehalten. Darüber hinaus wurden mehrere Gemeinden bei der Umsetzung von Fotovoltaikanlagen, sowie beim Umstieg von Öl- auf Biomasseheizungen bei kommunalen Gebäuden unterstützt. Die Ausarbeitung eines flächendeckenden E-Carsharing-Konzeptes für das Mühlviertel und die Tatsache, dass über die EBF-Tochtergesellschaft, der Helios Sonnenstrom GmbH, aktuell wieder 25 Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 1 MWp errichtet werden, rundeten den Bericht des wiedergewählten Obmanns Alfred Klepatsch ab. Zu seinem Stellvertreter wurde Eduard Anger (Stadtrat in Freistadt) gewählt. Aufgrund neuer rechtlicher Rahmenbedingungen zur Fortsetzung der Klima- und Energiemodellregion Freistadt war es auch notwendig den EBF in einen Verein umzubauen, der ausschließlich Gemeinden als Mitglieder zählt. Dass dies nur ein Zwischenschritt zum Aufbau eines regionalen „Umweltverbandes“, der sich neben Abfall- und Ressourcen- auch mit Klimaschutz- und Energiethemen befasst, sein kann, ist man sich in den EBF-Gremien schon lange einig. Um dies zu erreichen, gilt es gleich nach den Wahlen die momentan blockierenden bürokratischen und rechtlichen Hürden auf den Weg dorthin auszuräumen.

Mutter Erde ruft um Hilfe
Bestätigung dafür, dass regionale Klimaschutzarbeit dringend notwendig ist und dementsprechendes Verantwortungsbewusstsein von der Zivilgesellschaft als auch den Gemeinden erfordert, lieferte Dr. Heinz Kopetz, Präsident des Weltbiomasseverbandes. In dieser Funktion war er auch Teilnehmer an den letzten 5 Klimakonferenzen. Laut Kopetz ist von den UN-Klimakonferenzen nicht viel zu erwarten, weil bei den Abstimmungen das Einstimmigkeitsprinzip herrscht. Somit bestimmt der Langsamste das Tempo. Also im wesentlichen Staaten, die am Verkauf fossiler Energie noch kräftig profitieren. Als Leitmaßnahme schlägt Kopetz deshalb die Einführung einer Abgabe auf fossile CO2 -Emissionen auf Nationalebene bei gleichzeitiger Entlastung des Faktors Arbeit vor. Beispielsweise konnte in Schweden damit die CO2 – Emission pro Kopf deutlich reduziert werden. Ein neues Konjunkturpaket für den Umbau des Energiesystems könnte eine gesicherte Energieversorgung für die Zukunft, einen technologischen Innovationsschub sowie Tausende Arbeitsplätze in Österreich schaffen. Dass trotz des schon länger anhaltenden niedrigen Ölpreises hierzulande die Arbeitslosigkeit ständig steigt, ist ein Beleg dafür, dass billiges Öl keine positiven Auswirkungen für die Zukunft hat. Wer Kinder oder Enkelkinder hat, darf nicht zusehen, wie Gleichgültigkeit und Profitgier die Zukunft von Generationen verspielen. Abschließend ermutigte Kopetz daher jeden Einzelnen folgenden zusammengefassten Aufruf mit Sofortmaßnahmen an Abgeordnete, Parteizentralen, Kammern, etc. zu schicken, um endlich aktiv für den Klimaschutz einzutreten.

1. Die Neufassung der Ziele der Energie- und Klimapolitik in dem Sinne, dass bis 2025 der Anteil der erneuerbaren Energien auf mindestens 50% und bis 2030 auf über 66% erhöht wird und gleichzeitig die CO2 – Emissionen pro Kopf bis 2030 halbiert werden.

2. Die Einführung einer Abgabe auf fossile Emissionen in der Höhe von zunächst 50 und dann 100 Euro je Tonne CO2 mit Rückführung der Erlöse an alle Betroffenen (Haushalte, Pensionisten, Wirtschaft, Landwirtschaft) mit dem Ziel diese ökologische Reform des Steuersystems als Leitmaßnahme für den Umbau des Energiesystems zu nutzen.

3. Das Verbot der Installation neuer Ölheizungen ähnlich wie in Dänemark.
In der regen Diskussion im Anschluss an den Vortrag wurden diese Punkte noch eingehend behandelt. Am Ende herrscht jedoch Einigkeit darüber, dass jetzt gehandelt werden muss.

Der Vortrag und der Aufruf von Dr. Kopetz ist auch unter www.energiebezirk.at nachzulesen.

Nachhören können Sie den Vortrag hier: http://cba.media/292800

Beeindruckt vom Weitblick des Referenten, überlegt nun der EBF, zu seiner 10 Jahres Feier Ende Nov. 2015 abermals einen Impulsreferenten mit Weltformat nach Freistadt zu laden.